Mozart, Wolfgang Amadé (1756–1791)

Quartett in A-Dur KV 298 (1786–87?)

für Flöte, Violine, Viola und Violoncello

1. Andante (con Variazioni)

2. Menuetto – Trio – Menuetto (da capo)

3. Rondeau. Allegretto grazioso

»Rondieaoux, Allegretto grazioso, mà non troppo presto, però non troppo adagio. Così-così-con molto garbo ed espressione.« Mit dieser ungewöhnlichen und äußerst humorvollen Vortragsbezeichnung versah Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791) den Schlußsatz seines vierten und letzten Flötenquartettes – dem Quartett in A-Dur für Flöte, Violine, Viola und Violoncello KV 298. Mozarts geradezu unerschöpflicher Einfallsreichtum machte denn auch nicht vor den Tempobezeichnungen seiner Werke halt …

 

So gelangt der Dirigent und Musikwissenschaftler Helmut Breidenstein (geb. 1935), Autor des Buches Mozarts Tempo-System. Ein Handbuch für die professionelle Praxis (2. Auflage, Tectum-Verlag, Marburg 2015) im Rahmen seiner beispiellos umfangreichen Untersuchungen speziell auch über »Mozarts autographe verbale Tempobezeichnungen.« (mit dem in Klammern stehenden Zusatz Andere Bezeichnungen als diese sind nicht von seiner Hand. versehen) im Ergebnis zu folgenden insgesamt sieben Allegretto-Bezeichnungen im uns überlieferten Werk Mozarts: »Allegretto, Allegretto grazioso, Allegretto grazioso (mà non troppo presto), Allegretto (mà) moderato, Allegretto mà non troppo, Allegretto maestoso (!), Allegretto vivace (7)«.

 

Obgleich im in der Österreichischen Nationalbibliothek Wien aufbewahrten Autograph unten auf der ersten Seite der Partitur, wahrscheinlich durch Ignaz Franz Edler von Mosel (1772–1844), vermerkt ist: Quatuor original composé par W. A. Mozart. à Paris. 1778. Manuscrit du Compositeur, reçu du Baron de Jacquin geht man davon aus, daß das Flötenquartett aller Wahrscheinlichkeit nach 1786(–1787?) in Wien entstanden ist. Der ebenfalls auf der ersten Partiturseite befindliche und kaum noch lesbare Vermerk von der Hand des österreichischen Musikwissenschaftlers Anton Franz Schmid (1787–1857) lautet: Aus Mosels Nachlaß. Das Quartett gehört – wie Georges de Saint-Foix (1874–1954) schon Oktober 1920 in seinem Artikel Un Quatuor « d’Airs dialogués » de Mozart im Bulletin de la Société française de musicologie nachwies – der Gattung der »quatuors d’airs dialogués« an, welche Mozart im Sommer 1778 in Frankreich kennenlernte. Dieter Lutz Trimpert schreibt in seinem 1967 bei Hans Schneider in Tutzing verlegten Buch über Die Quatuors concertants von Giuseppe Cambini im Kapitel E. Das konzertante Quartett im Abschnitt Der Begriff dialogé auf Seite 177–178: »Eine ganze Reihe von Belegen zeigt, daß es sich um einen dem Konzertanten irgendwie verwandten Begriff handeln muß. […] Die Beschaffenheit der Quatuors d’Airs variés et dialogués stimmt ebenfalls damit überein, denn hier wandert ja die Opernmelodie in den Ketten von Figuralvariationen von Instrument zu Instrument. Offenbar werden Werke als dialogués bezeichnet, in denen nach Art des konzertanten Quartettes, Trios usw. die Führungsrolle alternierend von einem Instrument zum anderen wandert. Zwischen dialogué und concertant wurde dabei noch unterschieden. […] Worin der Unterschied besteht, oder besser, wo die Grenze zwischen beiden Begriffen liegt, wird nicht gesagt, immerhin wird erkennbar, daß sich diese dialogisierenden Werke an konzertante anlehnen, und daß anscheinend concertant eine höhere Stufe als dialogué darstellt.«

 

Das Thema des ersten Quartettsatzes ist an die Melodie des von Franz Anton Hoffmeister (1754–1812) komponierten Liedes An die Natur nach den Worten von Gottfried Wilhelm Becker (1778–1854) angelehnt und steht im Autograph von unbekannter Hand im Klaviersystem mit Andante bezeichnet auf der dritten Partiturseite geschrieben. Im zweiten Satz erinnert das Menuett an das französische Volkslied Il a des bottes, des bottes Bastien und das Thema des Schlußsatzes entlehnt Mozart der im Frühjahr 1786 in Neapel im Teatro dei Fiorentini uraufgeführten und am 1. September des selben Jahres in Wien erklungenen Oper Le gare generose von Giovanni Paisiello (1740–1816), womit die oben aufgeführte vermutete Entstehungszeit des Quartettes wesentlich begründet werden kann. Des Weiteren lassen auch handschriftliche Untersuchungen und die Tatsache, daß das Autograph im Besitz der Familie von Mozarts Freund und Schüler Gottfried von Jacquin (1767–1792) befindlich war, den Schluß der Entstehung des Werkes ab dem letzten Viertel des Jahres 1786 zu. Das Werk erklang im Hause Jacquin sicherlich mit großer Freude musiziert im Rahmen einer Hausmusik …

(2018)