Haydn, Franz Joseph (1732–1809)

Schottische Volkslieder Hob. XXXIa (erstmals veröffentlicht 1792/1795)

für Sopran, Violine, Violoncello und Klavier

daraus:

 

1. Flandern (Will ye go to Flanders) Hob. XXXIa:13 (Text: Anonymous)

2. Abergeldie (The Birks of Abergeldie) Hob. XXXIa:58 (Text: Anonymous)

3. Am Yarrow (Leader Haughs and Yarrow) Hob. XXXIa:27 (Text: Anonymous)

4. Im Sommer (The Glancing of her Apron) Hob. XXXIa:88 (Text: Anonymous)

5. Im grünen Hag (On a Bank of Flowers) Hob. XXXIa:142 (Text: Robert Burns)

6. Das weiße Heer (The White Cockade) Hob. XXXIa:22 (Text: Robert Burns)

7. Ständchen (O, let me in this ae night) Hob. XXXIa:61 (Text: Robert Burns)

8. Mein Liebster (The Soger Laddie) Hob. XXXIa:60 (Text: Anonymous)

9. Heimliche Liebe (I love my Love) Hob. XXXIa:3 (Text: Robert Burns)

10. Mein Ackersmann (The Ploughman) Hob. XXXIa:10 (Text: Robert Burns)

11. Heimatserde (Galla Water) Hob. XXXIa:15bis (Text: Anonymous)

12. Die Braut (This is no mine ain House) Hob. XXXIa:14 (Text: Anonymous)

Ende des 18. Jahrhunderts standen Bearbeitungen von schottischen, walisischen und irischen Volksliedern in England hoch im Kurs. Josef Haydn, welcher seit Anfang 1791 erstmals in London weilte und in den Diensten des Bonner Musikimpresarios Johann Peter Salomon (1745–1815) und dessen »Salomon’s Concerts« stand, schuf in der Zeit von 1791 bis 1804 insgesamt 429 Volksliedbearbeitungen für George Thomson (1757–1851), einen Volksliedsammler aus Edinburgh, sowie für die Verleger William Whyte (1771–1858) aus Edinburgh und den Londoner William Napier (1740?–1812).

 

Der aus Schottland stammende William Napier, welcher seit 1765 in London als Geiger wirkte und gegen Ende der 1770er Jahre eine eigene Konzertreihe veranstaltete, hatte in London einen Musikalienhandel eröffnet, dem auch ein Verlagsbetrieb angehörte. Für letztgenannten und als ersten bearbeitete Haydn 150 Lieder für Singstimme mit obligater Violine und bezifferten Bass.

 

In der Besetzung Singstimme und Klaviertrio entstanden Haydns Bearbeitungen für Thomson und auch für Whyte – von denen Haydn im Gegensatz zu Napier die Melodien, nicht aber auch die Texte erhielt – nun auch mit instrumentalen Vor- und Nachspielen, den sogenannten »Symphonies«. Erwähnenswert ist die Quelle für Napier, bei der es sich wohl hauptsächlich um die zu dieser Zeit veröffentlichten Bände des Scots Musical Museum mit schottischer Volkspoesie, welche auch die jeweiligen Melodien enthielten, handelt. 600 schottische Lieder sind in den von 1787 bis 1803 entstandenen und im Edinburgher Musikverlag James Johnson erschienenen sechs Bänden dieser Anthologie überliefert.

(2015)